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Schützenfest Holzminden
"Am 9.April 1894 stellte der Schuhmachermeister Carl Teiwes den Antrag die berittenen Chargen abzuschaffen, da es in der heutigen Zeit zweckmäßiger erscheinen würde wenn alle Schützen zu Fuß gingen. Der Antrag wurde selbstverständlich abgelehnt.

Im Jahr 1896 kostete das Fehlen beim Grünholen 3 Mark Strafe.

Auch für das fehlen bei den Versammlungen der Bürgerschützen wurden Strafgelder erhoben.

Um 1900 war Holzminden trotz inzwischen mehrerer Industriebetriebe immer noch eine Ackerbürgerstadt mit mehr als 160 Hofstellen. Um Mitglied in der Bürgerschützengesellschaft zu werden musste man Bürger der Stadt Holzminden sein, mindestens 12 Morgen Land in der Stadt besitzen und ein untadeligen Lebenswandel führen. (Schon eine Scheidung bedeutete damals auch den Ausschluß aus der Bürgerschützengesellschaft)

Weiterhin war die Anzahl der Mitglieder auf 40 festgelegt. Das setzte sich zusammen aus den berittenen Chargen, der Generalität, den Schaffern, den Königsbegleitern, den Offizieren für die damals 4 Kompanien, dem Sappeurhauptmann und dem Sappeuroberleutnant.
Die Mitgliederbegrenzung wurde mit der Wiederzulassung der Schützengesellschaft im Jahr 1948 abgeschafft.

Heute muss nicht jeder Bürgerschütze mindestens 12 Morgen Land haben und auch nicht jeder Bürgerschütze hat ein Pferd zu Hause, so wie es früher in der Ackerbürgerstadt Holzminden üblich war. Darum ist es in der heutigen Zeit auch nicht mehr selbstverständlich das jedes Mitglied der Bürgerschützengesellschaft reiten kann.

Infolgedessen beschloss im Jahr 2006 die Generalversammlung der Bürgerschützengesellschaft nach langer Diskussion die Vorstandsarbeit und die berittenen Chargen zu trennen. Damit änderte sich die jahrhundert alte Tradition das der Vorstand der Bürgerschützengesellschaft als berittene Generalität den Schützenfestumzug anführt.
Bereits das Schützenfest 2007 hat gezeigt das hier eine gute Lösung gefunden wurde.

Wer Tradition bewahren will, muß sich neuen Gegebenheiten anzupassen können. Denn bei allen Neuerungen ist Tradition dabei, weil eben das heute Neue in einigen Jahren Tradition sein wird.

Geschichten vom Schützenhof
Als ein altes Gemeingut unserer Stadtbevölkerung hat das Holzmindener Schützenfest bereits mehrere Jahrhunderte hinter sich. Nur die Ausführung des Festprogramms war im Wechsel der Zeiten verschieden. Noch zu Ende der 1860er Jahre wurde, da andere öffentliche Festlichkeiten kaum in Frage kamen, das Schützenfest alljährlich begangen und zwar das eine Jahr von der alten Schützengesellschaft, und das andere Jahr von den Junggesellenschützen. Bei diesem Junggesellenschützenhofe marschierte die gesamte Schuljugend mit im Zuge, so daß dieser Festzug ein besonders buntes Bild abgab. Die Offiziere der alten und der jungen Schützen trugen die engen blauen Fracks mit gelben Schärpen und gelben Beinkleidern. Den mächtigen Dreispitz, von dem der heutige nur eine Miniaturwiedergabe darstellt, schmückte ein roter Federbusch. Hierzu wurden weiße Hahnenfedern verwendet, da diese sich am besten färben ließen; wenn jemand einen Hahn mit weißen Federn besaß, der konnte darauf gefaßt sein, daß sich ihm vor Beginn der Schützenfestlichkeit ein ziemlich gerupftes Stück Federvieh präsentierte. Da sich derartiges Viehzeug („dä Häuners") damals noch ungeniert auf der Straße tummelte, bildeten diese „Gerupften" einen außerordentlich possierlichen Anblick, an dem sich nicht nur die Schuljugend, sondern auch Männlein und Weiblein erfreuten.

Von dem alten Holzmindener Schützenhofe ist schon manche nette Anekdote in die weite Welt hinausgetragen; denn nirgends konnte es eigentlich gemütlicher hergehen, als auf dem Schützenfestplatz unseres kleinen gemütlichen Ackerbürgerstädtchens. Diese Gemütlichkeit, die dem Schützenfeste einen so ungemein behaglichen Charakter verlieh, lag allerdings auch in den Zeitverhältnissen, in der anspruchslosen Lebensweise, die sich erst nach dem Kriege von 1870/71 grundlegend zu ändern begann, und in dem Fehlen der modernen Betriebsmittel. Die Mehrzahl der Einwohner hatte die Eisenbahn noch niemals benutzt, und mancher ehrbare Bürgersmann war über die Grenzen der Holzmindener Feldmark kaum hinausgekommen. Daraus erklärte sich auch die Geruhsamkeit unserer Kleinstadtmenschen, wenngleich der Arbeitstag zwölf Stunden und meistens noch länger währte, und von Müßiggang keine Rede sein konnte.

Bei der Eröffnung des Schützenballes führte der General die Frau „Kreisdirektersche", der Major die Frau „Bürgermeistersche" zum Tanz, während umgekehrt der Kreisdirektor mit der Frau Generalin und der Bürgermeister mit der Frau Majorin als drittes und viertes Paar folgten. In Brandts Garten, der an der Nordseite der Steinbreite lag, herrschte an den Schützenfesttagen ebenfalls ein lebhaftes Treiben. Bäckermeister Holtegel aus dem Goldenen Winkel hatte dort einen Stand mit allerlei soliden Backwaren errichtet, und das Allersheimer Süßbier, das dazu getrunken wurde, stieg gewiß keinem Menschen zu Kopf. Dagegen wurde in dem Offizierszelte nur Wein getrunken, die ganze Flasche zu fünf Silbergroschen. Das war allerdings ein Gewächs, das Mund und Backen zusammenzog, und bei etwas empfindlichen Naturen auch Leibschmerzen verursachte. Jedenfalls mußte man sich an „Surius" erst gewöhnen, und es wurde behauptet, daß ein Schütze, der zum Offizier vorgeschlagen wurde, eine förmliche Prüfung bestehen mußte, ob er beim Genusse dieses Schützenhofsweines auch trunkfest blieb.

Die Ballmusik wurde nicht etwa von Berufsmusikern ausgeführt, sondern von allerlei Professionisten, die sich etwas Nebenverdienst erwerben wollten, und in den benachbarten Dörfern beheimatet waren. Nur der Kapellmeister war zugleich Stadtmusikus und hatte daher etwas Musikverständnis und einige Notenkenntnis. Die Familie Herwig stellte damals bereits in der dritten Generation den Stadttrompeter, der bei den Schützenfesten natürlich eine wichtige Rolle spielte.

Einst brach mal die nicht fest genug gezimmerte Musikantentribüne zusammen, und die Musizi sanken mitsamt ihren Instrumenten in die Tiefe. Vor lauter Wut riß dabei der Stadtmusikus seine fuchsrote Perücke vom Kopfe und schleuderte sie dem Major der Junggesellen-Schützenkompanie, dem „krusen Ludchen" ins Gesicht. Daraus entwickelte sich dann eine allgemeine Keilerei, nach deren Beilegung dann kreuzfidel bis in die hellen Morgenstunden weitergefeiert wurde, als ob nicht das Geringste vorgefallen wäre.

Es war damals allgemein Sitte, den einzelnen Offizieren nach Beendigung der Ballfestlichkeit eine Nachtmusik in den frühen Morgenstunden vor dem Wohnhaus zu bringen. Und das Drolligste dabei war, daß die Tanzpaare, die bis zuletzt ausgehalten hatten, mit den Musikanten mitzogen und auf offener Straße ihr Tänzchen fortsetzten. So wurde auch das Haus des Ackerbürgers Rieke mit einem Frühkonzert bedacht; denn der Sohn war vor kurzem Offizier in der Junggesellenkompanie geworden; (er hatte also den Schützenfestwein vertragen können). Als nun Vater Rieke die Musiktöne vernimmt, springt er, ohne sich anzukleiden, ganz entzückt aus dem Bett, und sein dankbares Gemüt sinnt auch gleich darüber nach, wodurch er sich den Darbringern dieser seinem Hause erwiesenen Ehrung erkenntlich zeigen könne. Da fällt sein Blick auf den in der Kammer aufbewahrten Schützenfestkuchen. Ohne sich lange zu besinnen, schneidet er den leckeren Kuchen sorglich in Streifen und packt diese vor lauter freudiger Erregung schnell in die weiten Falten seines Nachthemdes. Und in dieser nächtlichen Ausstattung spendet er den auf der Straße spielenden Musikanten den Zoll seines dankerfüllten Vaterherzens.

Eine besondere Spezialität des Holzmindener Schützenfestes war von jeher das Fahnenschwenken. Aber zu jener Zeit wurde es noch mit einer ganz besonderen Bravour ausgeführt. Unter den Klängen Altbraunschweigischer Märsche wurde die Fahne hoch emporgeworfen, und in dem Augenblick, wo die Fahne in der Luft einen Umschwung machte, feuerte der Träger eine Pistole ab, worauf er die Fahne an dem Schaft wieder auffing.

Ein Original beim Holzmindener Schützenhof war zweifellos der Pritschenmeister, eine damals besonders in Niedersachsen typische Erscheinung. Der Maurergeselle Warnecke, der das Amt eines Pritschenmeisters beim Festzug versah, warf sich bereits am Vorabend des Festes in sein buntes Maskenkostüm und zog beim Zapfenstreich, die Pritsche schwingend, mit den Trommelkorps, das aus Holzmindener Handwerksgesellen bestand, durch die Straße. Beim Festzug selbst bemühte sich der Pritschenmeister, das Publikum durch allerlei Späße zu unterhalten, und die Passagen freizumachen. Wer mit der Pritsche einen Klaps erhielt, mußte ihm gewöhnlich eine kleine Gabe in Gestalt einiger Kupferdreier entrichten.

Die Hauptkraft des Trommelkorps war der Töpfergeselle Großkinski, namens Weitnauer, der als Tambourmajor fungierte, und zwar deshalb, weil er eine besondere Geschicklichkeit in der Handhabung des Tambourstabes zeigte.

Zu den vier Hauptleuten der Kompanien gesellten sich noch ebenso viele Schaffer, denen die Rechnungs- und sonstige Geschäftsführung oblag. Sobald der Festzug auf der Steinbreite anlangte, erhielt ein jeder Schaffer eine Flasche Wein aus der Schützenkasse spendiert. Der Glückliche, der sich zum König schoß, empfing neben den üblichen Ehrenbezeugungen eine Taschenuhr im Werte von 25 Talern und bekam außerdem noch ein Jahr lang den Schützengarten und die Schützenwiese am alten Höxterschen Postwege in freie Pacht.

Menschenalter und Generationen hindurch hat die Steinbreite die Schützenhofsfreuden auf ihrer Scholle abspielen sehen, und die alte Allee, die nach unten hin abgeschlossen wurde durch eine Reihe stämmiger Maulbeerbäume, hat manchem süßen Liebesgeheimnis gelauscht. Sie bildet von jeher eine Zufluchtsstätte für alle jene, die sich aus dem Trubel der Festzelte auf einige Zeit zurückziehen wollten, und die „höchsten Herrschaften", der Schützenkönig und der Herr Generalissimus, machten hier ihre nächtliche Promenade, um sich den kühlen Weserwind um das erhitzte Haupt wehen zu lassen, wenn der Schützenhofswein seine Wirkung allzu kräftig zeigte.

Den Pennälern war es schulseitig vergönnt, sich nach Herzenslust an dem Schützenfest zu beteiligen, und die Herren Primaner und Sekundaner zählten zu den flottesten Tänzern. Im Kommersbuche der Vereinigung ehemaliger Schüler des Holzmindener Gymnasiums weist noch folgender Vers eines von einem alten Holzmindener Scholaren einst verfaßten Liedes hierauf hin:

„Wie schwoll uns feurig einst die Brust
In sehnlichem Verlangen;
Wie fühlten wir der Liebe Lust,
Der Liebe Weh' und Bangen,
Wenn sie, die auserkorene Maid
Die Herrlichste, die Beste,
Erschien im weißen Flügelkleid
Zum Ball, zum Schützenfeste!"

Über die Zeitverhältnisse und kleine Episoden von Schützenfesten erzählt Carl Hampe:.
„Die Geschäfte schlossen meistens erst ihre Pforten, wenn der Nachtwächter mit Spieß und Horn die Straßen durchwanderte und die zehnte Stunde ausrief. Wenn man berücksichtigt, daß die Mehrzahl dieser Betriebe klein und bescheiden angelegt war, so kann man daraus ungefähr die Genügsamkeit und Einfachheit der damaligen Generation bemessen.
Nur ein Wort ergriff und beseligte alle und das war das Wort „Schützenhof". Vor dem Schützenfeste wurden die Häuser gestrichen und die Putzläden förmlich bestürmt.
Beim Schützenfest formierte sich auf dem Marktplatz auch der Festzug zur Steinbreite und die Schützenoffiziere in ihren blauen Fracks mit gelben Schärpen, gelben Beinkleidern und großen Federhüten, zumal der kleine dicke General Tappe aus dem alten Büttnerschen Haus, der wegen seiner etwas reichlich kurz ausgefallenen Beine immer schwer in die Steigbügel kommen konnte, sowie der große, hagere Major August Pfannkuche von der Weserstraße und der lange Leutnant Timmermann aus dem Tünneckenhagen, verfehlten auf uns nicht ihren Eindruck. Auch Ferdinand Hohmann, die treue, brave Seele, hatte sich in Schützenwichs geworfen und seine bis über die Knie reichenden Wasserstiefel, die er merkwürdigerweise für gewöhnlich bei seiner Tätigkeit im Notariatsbüro trug, zu Hause gelassen. Seine stattliche Erscheinung verriet auch ohne die Schleswig-Holsteinische Feldzugsmedaille von anno 1849 den würdigen Veteranen von Herzog Wilhelms tapferer schwarzer Schar.

Und dann kam auch Herr Warnecke, der Pritschenmeister zur Geltung, der in einem bunten Kostüm mit der Pritsche in der Hand als Spaßmacher dem Zuge voranschritt. Ein alter, niedersächsischer Brauch, der sich lange in einigen Ortschaften des alten Herzogtums Braunschweig erhalten hat.

In der unteren Stadt war am Tag vor Beginn des Festes in einer Familie die alte Großmutter gestorben. Die Schützenfestfreuden wollten sich die ,trauernden Hinterbliebenen' aber doch nicht gern entgehen lassen. Kurz entschlossen stellte man die Leiche kalt; man trug sie nämlich in den Keller, beteiligte sich kreuzfidel an dem Jubel und Trubel auf der Steinbreite und holte die Tote erst wieder herauf, als der letzte Ton der Tanzmusik in den Schützenzelten verklungen war. Dann ging einer der Leidtragenden mit schwarzumflortem Hut zu dem Kirchenbuchführer, um das Ableben der teueren Anverwandten registrieren zu lassen. Und wie dann der schwarze Schüdderunip' vor der Haustür hielt, um die Verstorbene in das Bett der Mutter Erde zu befördern, da waren auch endlich bei den Hinterbliebenen die letzten Nachwehen der Schützenhofsfreuden verflogen."

Der poetisch veranlagte Schuhmachermeister August Pfeil verfaßte einen kleinen Vers, den er in die abzuliefernden Schuhe einer Kundin, die Tochter des Generalsuperintendenten Bank, tat, als gerade das Schützenfest vor der Tür stand:

„Diese Schuhe blitze-blank, sind für Fräulein Elsbeth Bank, womit sie aufs allerbeste tanzen kann beim Schützenfeste."

Die bekanntesten und beliebtesten Volkslieder, die auf den Festen erklangen, waren seinerzeit

„Wir lustigen Braunschweiger,
Seiht wir alle beisammen,
Ei, so lasset uns fahren
Mit Roß und mit Wagen
Nach unserm Quartier,
Lust'ge Braunschweiger seien wir!"

und

„Hoch lebe Friedrich Wilhelm, hoch!
Er rückt ins Feld heran
Und schlug mit seiner kleinen Macht
Viel tausend Mann in mancher Schlacht,
:“: Der Held aus Heinrichs Stamm! :“:

Dieses Lied wurde von Schneidermeister Christian Friedrich Krämer, Braunschweig, Sergeant bei den 1807 errichteten Bürgerwachen, verfaßt.

Auf einem Holzmindener Schützenfest „am Rande" notiert:
Im Menschengedränge der Zelte auf der Steinbreite lehnte ein biederer Alter sich — wohl aus bestimmten Gründen — an eine Säule, da das Zelt fester stand, als er auf seinen Beinen. Kein Wunder, wenn man hörte, daß er seit vorgestern abend unterwegs sei. Das entnahm man dem dunklen Sinn der Rede, daß er die vielen, vielen Stunden auf der Suche nach seinem Bruder sei. „Dar Swin", meinte er trocken auf gut Deutsch, „geht nich eher nach Hiuse, bis de Schüttenhoff vorbei is. Unne dräpen kann eck'ne auch nich, wo hair dä vielen Täkens sind!"



Quellen:
Paul Reese - "Holzmindener Stadt- und Schützengeschichte" ©1968
Bernd Meyer - Überarbeitung von 2008
Letzte Änderung: 19.11.2008
 
   
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